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Materia medica · Nr. 296

Tarantula

Tarant.

In 183 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Tarantula, zubereitet aus der spanischen Tarantel, ist in der Materia medica das Mittel der äußersten Getriebenheit. Beschrieben werden Menschen, die keine Ruhe finden: Hände und Beine sind ständig in Bewegung, alles muss schnell gehen, jede Verzögerung ist unerträglich. Kennzeichnend ist der Bezug zur Musik, die einerseits ausgesprochen empfindlich macht und andererseits die innere Anspannung löst, sowie der Widerwille, angefasst oder angesprochen zu werden.

Konstitution

KörperbauEin bestimmter Körperbau wird nicht hervorgehoben; beschrieben werden nervlich hoch erregbare Menschen jeden Alters, häufig zäh und beweglich.
Thermalitätwarmblütig
TemperamentDie Rubriken heben im höchsten Grad Eile, Ruhelosigkeit, Eigensinn und Streitsucht hervor, daneben Fleiß und ein Verlangen nach geistiger Arbeit. Beschrieben wird ein Wesen von großer Beweglichkeit: rasch in den Bewegungen, rasch im Wechsel der Stimmung, ungeduldig, oft heiter und im nächsten Augenblick entmutigt. Zugleich besteht eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegen Berührung und Ansprache.

Gemütsbild

Eile in allen Bewegungen und beim GehenRuhelosigkeit, nervös und ängstlich getriebenEmpfindlichkeit gegen Musik, die zugleich Erleichterung bringtWiderwille, angefasst oder angesprochen zu werdenEigensinn und Streitsucht bei zugleich fleißiger BetriebsamkeitRascher Wechsel zwischen Heiterkeit und Entmutigung

Das Gemütsbild ist bei Tarantula ausgesprochen breit und in hohen Graden ausgewiesen. Im Zentrum steht die Eile: sie ist für die Bewegungen, für das Gehen und als allgemeiner Zug jeweils im höchsten Grad verzeichnet. Damit verbunden ist eine ängstlich-nervöse Ruhelosigkeit, die sich körperlich in unruhigen Händen, Armen, Füßen und Beinen fortsetzt. Der Umgang mit anderen ist widersprüchlich: Der Kranke ist fleißig, verlangt nach geistiger Beschäftigung und sucht Betätigung, weist zugleich aber jede Berührung und jede Ansprache zurück, antwortet kurz und schroff und ist streitsüchtig und eigensinnig. Auffällig ist die Rolle der Musik: Die Empfindlichkeit gegen Musik ist im höchsten Grad verzeichnet, ebenso jedoch die Besserung hysterischer Zustände durch Musik. Die Stimmung schlägt rasch um, Heiterkeit und Entmutigung wechseln, Gesten und ausfahrende Bewegungen begleiten die Rede. In schweren Fällen führen die Repertorien Zustände geistiger Umnachtung auf. Die Angst wird körperlich empfunden, ausdrücklich im Magen und im Bauch.

Ängste: Ängstliche Ruhelosigkeit ohne fassbaren Anlass, Angst, die im Magen und im Bauch empfunden wird, Unbehagen bei Berührung und Ansprache

Leitsymptome

Ruhelosigkeit der Glieder im höchsten Grad verzeichnet, besonders Beine, Unterschenkel und Hände; unregelmäßige, ausfahrende Bewegungen
Unwillkürliche zuckende Bewegungen (Chorea), im höchsten Grad aufgeführt, verzeichnet auch mit rechtsseitigem Schwerpunkt
Jucken der Haut und der Beine sowie Ameisenlaufen und pelziges Taubheitsgefühl, sämtlich im höchsten Grad verzeichnet
Mattigkeit, Schwäche und Mangel an Reaktion bei zugleich außerordentlicher körperlicher Reizbarkeit
Beklemmung mit erschwerter Atmung, durch Bewegung verschlimmert; Herzschmerzen mit Atemnot, Zusammenschnüren wie gepackt, Zittern in der Herzgegend
Blähungen, die eingeklemmt sind; Bauchschmerz, der sich durch Abgang von Winden bessert; leeres Aufstoßen; brennender Durst
Erbrechen nach dem Essen und nach dem Zubettgehen; Verstopfung mit vergeblichem Drang
Harnverhaltung durch Blasenlähmung; Jucken der weiblichen Geschlechtsteile; Kopfschmerz beim Erwachen
Verschlechterung
  • Berührung und Ansprache
  • Musik, im Sinne der verzeichneten Überempfindlichkeit
  • Bewegung, bei der Atemnot
  • Nach dem Essen und nach dem Zubettgehen, das Erbrechen
  • Beim Erwachen, der Kopfschmerz
Verbesserung
  • Bewegung, in den Modalitätenrubriken im höchsten Grad als Besserung verzeichnet
  • Musik, bei den hysterischen Zuständen
  • Abgang von Winden, bei den Bauchschmerzen
  • Beschäftigung, besonders geistige Arbeit

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Verlangen nach geistiger Arbeit und Beschäftigung
  • Brennender Durst
Abneigung
  • Weigert sich zu essen
  • Abneigung dagegen, angefasst oder angesprochen zu werden

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei ausgeprägter körperlicher Ruhelosigkeit, besonders der Beine, im höchsten Grad aufgeführtBei unwillkürlichen zuckenden Bewegungen (Chorea) im höchsten Grad verzeichnetKlassisch zugeordnet zu hysterischen Zuständen mit Besserung durch MusikBei Jucken und Ameisenlaufen der Haut im höchsten Grad genanntBei Beklemmung und Schmerzen in der Herzgegend aufgeführtBei Harnverhaltung infolge Blasenlähmung verzeichnet

Abgrenzung

Agaricus teilt die zuckenden Bewegungen und das Kribbeln der Haut, ist aber ausgeprägt kälteempfindlich und zeigt die Besserung im Schlaf. Mygale und Tarentula cubensis stehen den Spinnenmitteln nahe; Tarentula cubensis vor allem bei bläulich verfärbten, brennend schmerzhaften Eiterungen. Lachesis teilt die Geschwätzigkeit und die Empfindlichkeit gegen Berührung am Hals, mit Verschlimmerung nach dem Schlaf. Arsenicum album teilt die ängstliche Unruhe, ist jedoch frostig, ordnungsbedacht und bessert sich durch Wärme. Für Tarantula spricht das Zusammentreffen von Eile, körperlicher Ruhelosigkeit, Reaktion auf Musik und dem Widerwillen gegen Berührung.

Verwandte Mittel

Agaricus muscariusMygale lasiodoraLachesisArsenicum albumCuprum metallicumZincum metallicum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.