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Materia medica · Nr. 254

Pyrogenium

Pyrog.

In 763 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Pyrogenium ist eine Nosode, hergestellt aus zersetztem Fleisch, und gilt in der Materia medica als das große Mittel der septischen Zustände. Kennzeichnend ist ein Missverhältnis zwischen Puls und Temperatur: Der Puls jagt, während das Fieber niedrig ist, oder umgekehrt. Das Leitzeichen ist das Gefühl, wie zerschlagen und wund zu sein, sodass der Kranke das Bett zu hart findet und ständig die Lage wechselt — Bewegung bessert. Alle Absonderungen sind auffallend übelriechend.

Konstitution

KörperbauEin bestimmter Körperbau steht nicht im Vordergrund. Beschrieben wird das Mittel bei zuvor gesunden Menschen im akuten septischen oder fieberhaften Zerfallszustand sowie bei Kranken, die sich nach einer schweren Erkrankung nicht erholen.
Thermalitätfrostig
TemperamentDie Rubriken heben Geschwätzigkeit hervor: Der Fieberkranke redet unaufhörlich, mitunter flüsternd zu sich selbst. Beschrieben wird eine ruhelose, getriebene Verfassung, die nirgends Ruhe findet — der Kranke muss sich ständig bewegen, weil jede Lage nach kurzer Zeit unerträglich wird.

Gemütsbild

Geschwätzigkeit im Fieber, unaufhörliches RedenFlüsternde Sprache, auch im Schlaf und zu sich selbstRastlosigkeit, ständiger Lagewechsel im BettGefühl, größer oder gedoppelt zu seinBeklemmung im schweren Fieberzustand

Das Gemütsbild von Pyrogenium gehört ganz in den akuten Fieberzustand. Die Rubriken verzeichnen Geschwätzigkeit: Der Kranke redet, obwohl er kaum Kraft hat, und flüstert vor sich hin, auch im Schlaf. Die klassische Materia medica beschreibt dazu die bekannte Empfindung, der Körper sei über das Bett verteilt oder der Kranke sei doppelt vorhanden, und das Gefühl, größer zu sein, als er ist. Bestimmend ist die Rastlosigkeit: Weil das Bett zu hart erscheint und jede Stelle wund schmerzt, wechselt der Kranke unaufhörlich die Lage, und diese Bewegung bringt tatsächlich Erleichterung. Träume von Geschäften und geschäftiger Tätigkeit sind ebenfalls verzeichnet. Ein chronisches Persönlichkeitsbild wird in der Literatur nicht beschrieben.

Ängste: Beklemmung im septischen Zustand, verbunden mit dem Gefühl drohenden Unheils, Unruhe und Getriebenheit, die keine Ruhe im Bett zulässt

Leitsymptome

Hohes Fieber, im höchsten Grad verzeichnet, auch bei Kindern; septisches Fieber mit intensiver Hitze
Puls schnell, jagend und flatternd, im hohen Grad aufgeführt — oft im Missverhältnis zur Körpertemperatur
Sepsis und Abszesse, in den Repertorien im hohen Grad verzeichnet; Bauchfellentzündung
Zerschlagenheits- und Wundheitsschmerz innerlich wie äußerlich, im höchsten Grad aufgeführt; das Bett erscheint zu hart
Bewegung bessert im höchsten Grad — der Kranke muss die Lage ständig wechseln
Knochen- und Oberschenkelschmerzen, die durch Bettwärme und Gehen gebessert werden
Frost abends, gegen 19 Uhr, mit langem Schüttelfrost; Frost vom Rücken ausgehend; Wärme wird verlangt, bessert aber nicht immer
Alle Absonderungen auffallend übelriechend: fauliger Stuhlgeruch, stinkender Schweiß, übelriechender Ausfluss
Extremer Durst; süßlicher Geschmack; glatte, glänzende Zunge; kaffeesatzartiges Erbrochenes
Schmerzloser Durchfall, unwillkürlicher Stuhlabgang auch bei Blähungsabgang; schwarzer oder brauner Stuhl
Gefühl, als trage man eine Kappe oder einen Helm auf dem Kopf; äußerer Druck bessert den Kopfschmerz
Verschlechterung
  • Kälte und Berühren von Kaltem, im hohen Grad verzeichnet
  • Nasskaltes Wetter
  • Ruhe und Stilliegen — jede Lage wird nach kurzer Zeit unerträglich
  • Abends, besonders der Frost gegen 19 Uhr
Verbesserung
  • Bewegung und Lagewechsel, im höchsten Grad verzeichnet
  • Bettwärme für die Gliederschmerzen und den Frost
  • Gehen (Knieschmerzen)
  • Äußerer Druck auf den Kopf
  • Frische Luft für den Husten

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Extremer Durst, in den Rubriken im höchsten Grad verzeichnet
  • Verlangen nach Wärme, die den Frost jedoch nicht immer bessert
Abneigung
  • In der Literatur bezogen auf Speisen nicht näher beschrieben

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien im hohen Grad bei septischen Fieberzuständen und Sepsis aufgeführtIn Repertorien im höchsten Grad bei hohem Fieber, auch bei Kindern, verzeichnetKlassisch zugeordnet zu Zuständen mit auffallend übelriechenden AbsonderungenBei Abszessbildung und Bauchfellentzündung in der Materia medica genanntBei fieberhaften Zuständen mit Missverhältnis von Puls und Temperatur beschriebenBei grippalen Verläufen mit Zerschlagenheitsgefühl aufgeführt

Abgrenzung

Arnica montana teilt das Zerschlagenheitsgefühl und die Empfindung, das Bett sei zu hart, wird jedoch durch Bewegung eher verschlimmert und weist die typische Abwehr gegen Berührung auf — Pyrogenium bessert sich gerade durch ständigen Lagewechsel. Baptisia tinctoria zeigt den benommenen, hinfälligen Fieberzustand mit übelriechenden Absonderungen und dem Gefühl, zerstreut zu sein, ohne das jagende Puls-Temperatur-Missverhältnis. Rhus toxicodendron bringt die Besserung durch fortgesetzte Bewegung mit, aber ohne septischen Charakter und Fäulnisgeruch. Für Pyrogenium sprechen die Verbindung von übelriechenden Absonderungen, jagendem Puls und der ausgeprägten Ruhelosigkeit.

Verwandte Mittel

Arnica montanaBaptisia tinctoriaRhus toxicodendronArsenicum albumEchinacea angustifoliaLachesis

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.