Picricum acidum, die Pikrinsäure, ist in der Materia medica das Mittel der geistigen Erschöpfung: Nach längerer Kopfarbeit versagen Denken und Kraft, es bleibt ein bleiernes Schweregefühl in Kopf, Rücken und Beinen. Die Repertorien führen es im höchsten Grad bei Nervenschwäche, bei Schwäche nach geringster Anstrengung und bei Kopfschmerz durch geistige Anstrengung auf. Auffällig ist die Verbindung dieser Erschöpfung mit einer gesteigerten geschlechtlichen Erregbarkeit.
Konstitution
Gemütsbild
Geistige Erschöpfung nach Kopfarbeit, Widerwille gegen jede DenkanstrengungTrägheit und Schwerfälligkeit des DenkensAngst, die sich bei Anstrengung verschlimmertMangel an Selbstvertrauen und UnschlüssigkeitGesteigerte geschlechtliche Erregbarkeit trotz Erschöpfung
Das Gemütsbild ist bei Picricum acidum eng mit der Erschöpfung verwoben. Die Repertorien führen Nervenschwäche, Trägheit und Schwerfälligkeit im höchsten Grad auf. Beschrieben wird ein Zustand, in dem der Kranke nach anhaltender geistiger Arbeit keinen zusammenhängenden Gedanken mehr fassen kann; schon der Vorsatz, etwas zu lesen oder zu rechnen, löst Widerwillen und Kopfschmerz aus. Die Angst nimmt bei jeder Anstrengung zu, Selbstvertrauen und Entschlusskraft fehlen. Kennzeichnend und in den Rubriken deutlich ausgewiesen ist der Gegensatz zwischen dieser Erschöpfung und einer stark gesteigerten geschlechtlichen Erregbarkeit mit anhaltenden, störenden Erektionen und lüsternen Gedanken. Die klassische Literatur beschreibt das Bild häufig bei Studierenden und Menschen nach längerer Überforderung des Kopfes.
Ängste: Angst, die durch körperliche oder geistige Anstrengung zunimmt, Angst, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, Nach dem Stuhlgang im Bauch empfundene Angst
Leitsymptome
- Durch geistige Anstrengung, Lesen, Rechnen, Studieren
- Durch körperliche Anstrengung und Gehen
- Nach dem Stuhlgang
- Nach Gefühlserregung
- Durch Wärme, Sommerhitze
- Durch Liegen und Ruhe
- Durch kalte Anwendungen und Baden
- Durch Druck von außen auf den Kopf
- Durch Aufstoßen, bezogen auf die Magenbeschwerden
Verlangen und Abneigungen
- In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
- Verminderter Appetit mit Widerwillen gegen Speisen
- Abneigung gegen geistige Beschäftigung, die auch das Essverhalten mitbestimmt
In Repertorien häufig zugeordnet
In Repertorien bei Erschöpfung und Nervenschwäche nach geistiger Überarbeitung aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Kopfschmerz im Hinterkopf durch geistige AnstrengungBei Schweregefühl und Schwäche der Beine sowie Unsicherheit beim Gehen verzeichnetBei brennenden Schmerzen und Schwäche der Lendenwirbelsäule genanntBei gelbem, wässrigem Durchfall nach Anstrengung aufgeführtIn der Literatur bei gesteigerter geschlechtlicher Erregbarkeit mit gleichzeitiger Erschöpfung beschrieben
Abgrenzung
Von Phosphoricum acidum, dem nächstverwandten Erschöpfungsmittel, unterscheidet Picricum acidum die stärkere Schwere und Steifheit der Glieder sowie die gesteigerte geschlechtliche Erregbarkeit; Phosphoricum acidum folgt meist auf Kummer und zeigt Gleichgültigkeit. Gelsemium teilt die Schwere und Schwäche, ist aber deutlicher an Erwartungsangst und Zittern gebunden. Silicea zeigt ebenfalls Erschöpfung nach geistiger Arbeit, verbunden mit Frostigkeit und Mangel an Durchsetzungskraft. Für Picricum acidum spricht der ausdrückliche Zusammenhang zwischen Kopfarbeit und dem Zusammenbrechen der Kraft.
Verwandte Mittel
Phosphoricum acidumGelsemiumSiliceaPhosphorusOxalicum acidumKalium phosphoricum
Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.
Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.