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Materia medica · Nr. 211

Mercurius dulcis

Merc-d.

In 194 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Mercurius dulcis, das Quecksilberchlorür oder Kalomel, ist die mildere unter den Quecksilberverbindungen und hat in der Materia medica einen deutlichen Schwerpunkt am Mittelohr und an der Ohrtrompete. Beschrieben werden Katarrhe, die vom Rachen über die Ohrtrompete zum Mittelohr aufsteigen und Schwerhörigkeit mit Ohrgeräuschen hinterlassen. Ein zweiter Schwerpunkt liegt bei Leber und Galle mit koliken sowie bei scharfen, gallig-grünen Stühlen, wie sie besonders bei Kindern beschrieben sind.

Konstitution

KörperbauBeschrieben sind vor allem blasse, schlaffe Kinder mit wiederkehrenden Schleimhautkatarrhen; ein eigener Körperbautypus wird nicht hervorgehoben.
Thermalitätwechselnd
TemperamentDie Rubriken verzeichnen eine grüblerische, auf den eigenen Körper gerichtete Verfassung, die als Hypochondrie geführt wird, dazu Sinnestäuschungen des Gehörs. Die Literatur beschreibt eine Empfindlichkeit gegen Temperaturwechsel und eine reizbare Grundstimmung, wie sie den Quecksilbermitteln insgesamt eigen ist, hier jedoch milder ausgeprägt.

Gemütsbild

Grüblerische Beschäftigung mit dem eigenen BefindenSinnestäuschungen des Gehörs, Geräusche und OhrenklingenNeigung zu wiederkehrenden Beschwerden, die immer aufs Neue zurückkehrenEmpfindlichkeit gegen Wärme und Sommerhitze

Das Gemütsbild ist mit mittleren Graden nur knapp ausgewiesen. Verzeichnet ist eine hypochondrische Verfassung: eine anhaltende, sorgenvolle Aufmerksamkeit für den eigenen Körper, die durch die immer wiederkehrenden Beschwerden genährt wird. Damit verbunden sind Sinnestäuschungen des Gehörs, die in den Repertorien sowohl unter den Gemütssymptomen als auch bei den Ohren aufgeführt sind: Geräusche, Klingen, Rauschen, für die kein äußerer Anlass besteht. Auffällig ist die eigens verzeichnete Neigung der Symptome, nach scheinbarer Besserung erneut aufzutreten. Ein ausgearbeitetes chronisches Gemütsbild abseits dieser Züge liegt zu Mercurius dulcis nicht vor.

Ängste: Sorge um die eigene Gesundheit im Sinne der verzeichneten Hypochondrie, Weitere Angstinhalte sind in den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen

Leitsymptome

Mittelohrentzündung mit Beteiligung der Ohrtrompete; Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche, sämtlich im hohen Grad verzeichnet
Katarrh im hinteren Nasenraum und Nasenrachenraum; Entzündung der Mandeln
Beschwerden im Mund, besonders am weichen Gaumen, im höchsten Grad aufgeführt; Speichelfluss vermehrt oder vermindert
Gallenkolik und Gallensteinbeschwerden im höchsten Grad verzeichnet; Beschwerden im rechten Oberbauch
Scharfe, wundmachende Stühle, gallig, grünschleimig, schwärzlich oder fettig glänzend; Beschwerden nach dem Stuhlgang
Bindehautentzündung im höchsten Grad aufgeführt, auch mit Bläschenbildung; Entzündung der Aderhaut
Blähungen, die eingeklemmt sind und nicht abgehen; Auftreibung des Oberbauchs, Zwölffingerdarmbeschwerden
Spärlicher Urin; gichtartige Gelenkschmerzen; Drüsenverhärtungen; Feigwarzen an den Geschlechtsteilen
Verschlechterung
  • Sommerhitze, in den Repertorien im hohen Grad verzeichnet
  • Nach dem Stuhlgang
  • Temperaturwechsel und feuchtkalte Witterung
  • Nachts, wie bei den Quecksilbermitteln allgemein beschrieben
Verbesserung
  • Gleichmäßige, gemäßigte Temperatur
  • Ruhe
  • Abgang eingeklemmter Blähungen
  • Weitere Besserungen sind in den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
Abneigung
  • In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei Mittelohrentzündung und Beschwerden der Ohrtrompete im hohen Grad aufgeführtBei Bindehautentzündung im höchsten Grad verzeichnetKlassisch zugeordnet zu Gallenkoliken und GallensteinbeschwerdenBei scharfen, gallig-grünen Stühlen von Kindern genanntBei Mandelentzündung und Katarrh des Nasenrachenraums aufgeführtBei eingeklemmten Blähungen mit Auftreibung des Oberbauchs verzeichnet

Abgrenzung

Mercurius solubilis zeigt dasselbe Grundmuster stärker ausgeprägt: reichlicher Speichelfluss, übler Mundgeruch, Nachtschweiße und ausgeprägte nächtliche Verschlimmerung. Kalium muriaticum steht ebenfalls bei Verstopfung der Ohrtrompete mit Schwerhörigkeit und weißlicher Zunge, ohne die Gallenbeteiligung. Chelidonium und Lycopodium teilen die Beschwerden von Leber und Galle mit Rechtsseitigkeit. Für Mercurius dulcis spricht die Verbindung von Ohrtrompetenkatarrh, gallig-scharfen Stühlen und der ausgeprägten Verschlimmerung im Sommer.

Verwandte Mittel

Mercurius solubilisKalium muriaticumChelidoniumHepar sulphurisPodophyllumPulsatilla

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.