Medorrhinum ist eine Nosode, die aus dem Sekret des Trippers gewonnen wird, und gilt in der klassischen Homöopathie als Hauptmittel der sykotischen Belastung. Beschrieben wird ein rastloser, getriebener Mensch mit ausgeprägter Eile, schwachem Gedächtnis und dem Gefühl, alles sei unwirklich. Körperlich stehen rheumatische Beschwerden, Absonderungen aus den Harn- und Geschlechtsorganen, Warzenbildungen und eine ausgeprägte Unruhe der Beine und Füße im Vordergrund.
Konstitution
Gemütsbild
Eile und innere Getriebenheit, alles muss sofort geschehenSchwaches Gedächtnis, Verlieren des Wortes beim SprechenGefühl, alles sei unwirklich oder wie im TraumReue und Schuldgefühl bis zur Angst um das eigene SeelenheilWeinen bessert die Beschwerden
Die Repertorien führen Eile und Gedächtnisschwäche im höchsten Grad, dazu Vergesslichkeit der Worte beim Sprechen, das Gefühl der Unwirklichkeit, Reue, Angst um die ewige Seligkeit und Mangel an Selbstvertrauen. Verzeichnet ist außerdem, dass die Beschwerden schlechter werden, sobald der Patient an sie denkt, und dass Weinen die Symptome bessert. Die klassische Literatur beschreibt einen zwischen Extremen schwankenden Zustand: rastlose, überschäumende Aktivität wechselt mit Erschöpfung und Zeitverlust, das Zeitgefühl selbst erscheint verzerrt. Häufig genannt wird zugleich eine Neigung, das eigene Verhalten im Nachhinein hart zu verurteilen.
Ängste: Angst um die ewige Seligkeit und das eigene Seelenheil, Furcht, im Erinnern und Sprechen zu versagen, Beklemmung mit dem Gefühl, alles sei unwirklich
Leitsymptome
- Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, tagsüber
- Bettwärme und Zudecken
- Beim Denken an die Beschwerden
- Feuchtes, kaltes Wetter
- Berührung und Erschütterung
- Am Meer und in feuchter Seeluft
- Bauchlage und Knie-Ellbogen-Lage
- Weinen
- Bewegung im Freien
- Abends und in der Nacht
Verlangen und Abneigungen
- In den Rubriken nicht eigens ausgewiesen; die Literatur nennt Verlangen nach Salz, Süßem, Orangen und Unreifem
- Verlangen nach kalten Getränken und Eis wird in der Materia medica beschrieben
- Abneigung gegen Geschlechtsverkehr ist in den Rubriken verzeichnet
- In der Literatur genannt: Abneigung gegen Fleisch
In Repertorien häufig zugeordnet
In der klassischen Literatur als Nosode bei sykotischer Belastung mit Warzen- und Kondylombildung aufgeführtIn Repertorien bei rheumatischen Gelenk- und Gliederschmerzen genanntBei Unruhe der Beine und Füße mit Brennen der Sohlen verzeichnetBei chronischen Absonderungen aus Harnröhre und Scheide aufgeführtBei Entzündungen und Schwellungen der Eierstöcke genanntBei Konzentrations- und Gedächtnisschwäche mit innerer Getriebenheit in der Literatur beschrieben
Abgrenzung
Thuja occidentalis ist das pflanzliche Hauptmittel derselben sykotischen Ausrichtung mit Warzen und Absonderungen, wirkt jedoch verschlossen, fixiert und starr, während Medorrhinum durch Hast, Sprunghaftigkeit und Extreme auffällt. Sulphur teilt das Brennen in Handflächen und Fußsohlen und die Unverträglichkeit der Bettwärme, zeigt jedoch keine Besserung am Meer und keine ausgeprägte Eile. Natrium muriaticum ähnelt in der Besserung am Meer und im Zurückziehen, hat aber ein festgehaltenes Gemütsbild nach Kummer statt der medorrhinischen Rastlosigkeit. Tuberculinum zeigt ebenfalls Unruhe und Reizbarkeit, dort steht der Drang nach Veränderung und Reisen im Vordergrund.
Verwandte Mittel
Thuja occidentalisNatrium muriaticumSulphurTuberculinumPsorinumZincum metallicum
Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.
Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.