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Materia medica · Nr. 328

Medorrhinum

Med.

In 2.206 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Medorrhinum ist eine Nosode, die aus dem Sekret des Trippers gewonnen wird, und gilt in der klassischen Homöopathie als Hauptmittel der sykotischen Belastung. Beschrieben wird ein rastloser, getriebener Mensch mit ausgeprägter Eile, schwachem Gedächtnis und dem Gefühl, alles sei unwirklich. Körperlich stehen rheumatische Beschwerden, Absonderungen aus den Harn- und Geschlechtsorganen, Warzenbildungen und eine ausgeprägte Unruhe der Beine und Füße im Vordergrund.

Konstitution

KörperbauBeschrieben werden blasse, gelblich-blasse oder grünlich wirkende Menschen mit ödematösen Schwellungen an Füßen und Knöcheln; ein einheitlicher Körperbau wird in der Literatur nicht hervorgehoben.
Thermalitätwechselnd
TemperamentDie Rubriken nennen Eile, Gedächtnisschwäche, das Gefühl der Unwirklichkeit, Reue und Mangel an Selbstvertrauen. Beschrieben wird ein sprunghafter, getriebener Mensch, der zwischen Überschwang und tiefer Erschöpfung schwankt und dessen Beschwerden sich verschlimmern, sobald er an sie denkt.

Gemütsbild

Eile und innere Getriebenheit, alles muss sofort geschehenSchwaches Gedächtnis, Verlieren des Wortes beim SprechenGefühl, alles sei unwirklich oder wie im TraumReue und Schuldgefühl bis zur Angst um das eigene SeelenheilWeinen bessert die Beschwerden

Die Repertorien führen Eile und Gedächtnisschwäche im höchsten Grad, dazu Vergesslichkeit der Worte beim Sprechen, das Gefühl der Unwirklichkeit, Reue, Angst um die ewige Seligkeit und Mangel an Selbstvertrauen. Verzeichnet ist außerdem, dass die Beschwerden schlechter werden, sobald der Patient an sie denkt, und dass Weinen die Symptome bessert. Die klassische Literatur beschreibt einen zwischen Extremen schwankenden Zustand: rastlose, überschäumende Aktivität wechselt mit Erschöpfung und Zeitverlust, das Zeitgefühl selbst erscheint verzerrt. Häufig genannt wird zugleich eine Neigung, das eigene Verhalten im Nachhinein hart zu verurteilen.

Ängste: Angst um die ewige Seligkeit und das eigene Seelenheil, Furcht, im Erinnern und Sprechen zu versagen, Beklemmung mit dem Gefühl, alles sei unwirklich

Leitsymptome

Ausgeprägte Unruhe der Füße und Unterschenkel; Brennen in Handflächen und Fußsohlen, Bettwärme wird unerträglich
Rheumatische Gelenk- und Gliederschmerzen, oft besser durch Bewegung; Steifheit, besonders in der Hüfte, Schmerz wie wundgeschlagen in den Fußsohlen
Häufiges nächtliches Wasserlassen mit schwachem Strahl, Absonderung aus der Harnröhre, Reizzustände der Blase
Reichlicher Ausfluss, Entzündung und Schwellung der Eierstöcke; bei Männern Verhärtung der Hoden und Nebenhoden
Feigwarzen und Kondylome an Haut, After und Genitale, im Zusammenhang mit der sykotischen Belastung beschrieben
Verklebte, entzündete Lidränder mit dem Gefühl von Sand in den Augen; Magenschmerzen um zwei Uhr nachts
Verschlechterung
  • Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, tagsüber
  • Bettwärme und Zudecken
  • Beim Denken an die Beschwerden
  • Feuchtes, kaltes Wetter
  • Berührung und Erschütterung
Verbesserung
  • Am Meer und in feuchter Seeluft
  • Bauchlage und Knie-Ellbogen-Lage
  • Weinen
  • Bewegung im Freien
  • Abends und in der Nacht

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In den Rubriken nicht eigens ausgewiesen; die Literatur nennt Verlangen nach Salz, Süßem, Orangen und Unreifem
  • Verlangen nach kalten Getränken und Eis wird in der Materia medica beschrieben
Abneigung
  • Abneigung gegen Geschlechtsverkehr ist in den Rubriken verzeichnet
  • In der Literatur genannt: Abneigung gegen Fleisch

In Repertorien häufig zugeordnet

In der klassischen Literatur als Nosode bei sykotischer Belastung mit Warzen- und Kondylombildung aufgeführtIn Repertorien bei rheumatischen Gelenk- und Gliederschmerzen genanntBei Unruhe der Beine und Füße mit Brennen der Sohlen verzeichnetBei chronischen Absonderungen aus Harnröhre und Scheide aufgeführtBei Entzündungen und Schwellungen der Eierstöcke genanntBei Konzentrations- und Gedächtnisschwäche mit innerer Getriebenheit in der Literatur beschrieben

Abgrenzung

Thuja occidentalis ist das pflanzliche Hauptmittel derselben sykotischen Ausrichtung mit Warzen und Absonderungen, wirkt jedoch verschlossen, fixiert und starr, während Medorrhinum durch Hast, Sprunghaftigkeit und Extreme auffällt. Sulphur teilt das Brennen in Handflächen und Fußsohlen und die Unverträglichkeit der Bettwärme, zeigt jedoch keine Besserung am Meer und keine ausgeprägte Eile. Natrium muriaticum ähnelt in der Besserung am Meer und im Zurückziehen, hat aber ein festgehaltenes Gemütsbild nach Kummer statt der medorrhinischen Rastlosigkeit. Tuberculinum zeigt ebenfalls Unruhe und Reizbarkeit, dort steht der Drang nach Veränderung und Reisen im Vordergrund.

Verwandte Mittel

Thuja occidentalisNatrium muriaticumSulphurTuberculinumPsorinumZincum metallicum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.