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Materia medica · Nr. 327

Lyssinum

Lyss.

In 1.893 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Lyssinum, auch Hydrophobinum genannt, ist eine Nosode, die aus dem Speichel tollwutkranker Hunde bereitet wurde. In der Materia medica wird sie als Mittel höchster Übererregbarkeit beschrieben: Jeder Sinneseindruck wirkt überwältigend, besonders der Anblick oder das Geräusch fließenden Wassers und glänzender Gegenstände. Kennzeichnend sind Schluckbeschwerden bei Flüssigkeiten, reichlicher zäher Speichel und eine Überempfindlichkeit, die bis zu Krampfzuständen reicht.

Konstitution

KörperbauEin bestimmter Körperbau wird in der Literatur nicht hervorgehoben; beschrieben wird ein Zustand allgemeiner nervöser Übererregbarkeit mit leidendem Gesichtsausdruck.
Thermalitätwechselnd
TemperamentDie Rubriken führen Überempfindlichkeit im höchsten Grad, dazu konkrete Furcht, Verschlechterung durch glänzende Gegenstände und Beschwerden durch Erregung. Beschrieben wird ein Mensch, dessen Wahrnehmung ungeschützt offen liegt und der auf geringe Reize mit heftiger innerer Erregung antwortet.

Gemütsbild

Überempfindlichkeit gegen alle SinneseindrückeVerschlechterung durch glänzende Gegenstände und SpiegelÜberempfindlichkeit gegen den Anblick und das Geräusch fließenden WassersFurcht, gebissen zu werdenBeschwerden durch Erregung und nach SchreckWahnidee, es werde etwas Schreckliches geschehen

Die Repertorien führen bei Lyssinum die Überempfindlichkeit im höchsten Grad und verbinden sie mit ganz bestimmten Auslösern: glänzende Gegenstände, Spiegel im Zimmer, das Geräusch fließenden Wassers. Verzeichnet sind ferner die Furcht, gebissen zu werden, die Neigung, sich selbst zu beißen, unwillkürliches Singen und ein Verlangen umherzuwandern. Ein wilder Blick und ein leidender Gesichtsausdruck ergänzen das Bild. Die klassische Literatur beschreibt einen Zustand, in dem der gewohnte Schutz gegen Sinnesreize fehlt: Der Mensch nimmt alles ungefiltert auf und gerät dadurch in Erregung, die sich in Krämpfen des Halses und der Speiseröhre körperlich niederschlägt. Nach Schreck und Aufregung verschlimmern sich die Beschwerden ausdrücklich.

Ängste: Furcht, gebissen zu werden, Furcht vor Spiegeln im Zimmer, Wahnidee, es werde etwas Schreckliches geschehen, Angst beim Anblick und Geräusch von fließendem Wasser

Leitsymptome

Erschwertes Schlucken, besonders von Flüssigkeiten, mit Krampf der Speiseröhre und Spasmen im Hals
Reichlicher, zäher, fadenziehender Speichel mit ständigem Schluckdrang
Harndrang schon beim Hören von laufendem Wasser: ein besonders kennzeichnendes Symptom
Überempfindlichkeit der Haut und aller Sinne, auch gegen starke Gerüche und Geräusche
Empfindlichkeit und Wundheitsgefühl der Scheide mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr; gesteigerter Geschlechtstrieb
Wunder, schmerzhafter Rücken entlang der Wirbelsäule; vorübergehende Sehstörungen und Doppeltsehen
Verschlechterung
  • Anblick oder Geräusch von fließendem Wasser
  • Glänzende Gegenstände und Spiegel
  • Rechte Körperseite
  • Erregung, Schreck und Aufregung
  • Nach dem Trinken
  • Berührung
Verbesserung
  • Ruhe und Abschirmung von Sinnesreizen
  • Abgedunkelter Raum
  • Frische Luft ohne Reize
  • Zuwendung ohne Aufregung

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Verlangen nach salzigen Speisen ist verzeichnet
  • In der Literatur darüber hinaus nicht näher beschrieben
Abneigung
  • Ausgeprägte Abneigung gegen Getränke und gegen Wasser
  • Abneigung gegen fette, schwere Speisen und gegen Äpfel

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei Zuständen ausgeprägter Überempfindlichkeit gegen Sinnesreize aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Schluckbeschwerden mit Krampf der SpeiseröhreBei Beschwerden nach Schreck und Erregung genanntBei Überempfindlichkeit der Scheide mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verzeichnetBei Kopfschmerzen mit Empfindlichkeit gegen Glanz aufgeführtAls Nosode in der klassischen Literatur bei Folgen von Bissverletzungen beschrieben

Abgrenzung

Stramonium teilt die Furcht vor Wasser und Glanz sowie die krampfhaften Zustände, zeigt jedoch ausgeprägte Furcht vor Dunkelheit und Alleinsein sowie ein wildes, redseliges Delirium; Lyssinum bleibt stärker auf die Überempfindlichkeit der Sinne beschränkt. Belladonna hat ebenfalls Krämpfe im Hals und Empfindlichkeit gegen Licht und Erschütterung, dort steht die hochrote, hitzige Heftigkeit im Vordergrund. Cantharis ähnelt in der Reizung der Harnwege und im Wasserscheu-Bild, kennzeichnend ist dort das unerträgliche Brennen beim Wasserlassen. Lachesis teilt die Empfindlichkeit gegen Berührung am Hals und die Redseligkeit, hat aber die linksseitige Betonung und Verschlechterung nach dem Schlaf.

Verwandte Mittel

StramoniumBelladonnaCantharisLachesisLac caninumHyoscyamus niger

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.