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Materia medica · Nr. 1915

Kalium cyanatum

Kali-cy.

In 134 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Kalium cyanatum, das homöopathisch aufbereitete Zyankali, gehört zu den stark wirksamen mineralischen Arzneien, die aus einem heftigen Gift gewonnen wurden. Die Materia medica beschreibt es vor allem bei nervenschmerzartigen Zuständen im Gesicht und am Auge sowie bei Schwäche der Beine und Anfällen von Ohnmacht. Kennzeichnend sind der starre Blick, Doppeltsehen und eine unregelmäßige, anfallsweise auftretende Atmung.

Konstitution

KörperbauEin eigener Konstitutionstyp wird nicht beschrieben. Verzeichnet ist eine bläuliche Verfärbung des Gesichts bei mangelnder Durchlüftung, dazu kalter Schweiß an den Händen.
Thermalitätfrostig
TemperamentZum Gemüt liegt vor allem eine Angabe vor: Reizbarkeit gegenüber abwesenden Personen, also Ärger über Menschen, die gerade nicht zugegen sind. Dazu tritt beklemmende Ängstlichkeit in der Brust. Ein weiter ausgearbeitetes Charakterbild ist nicht überliefert.

Gemütsbild

Reizbarkeit gegenüber abwesenden PersonenBeklemmende Ängstlichkeit in der BrustErschöpfung mit Neigung zur OhnmachtBedrängnis durch die anfallsweise erschwerte AtmungKein umfassendes Charakterbild in der Literatur

Das Gemütskapitel von Kalium cyanatum ist schmal. Die auffälligste Rubrik ist die Reizbarkeit, die sich gegen abwesende Menschen richtet - ein Ärger, der im Inneren weiterarbeitet, ohne dass sein Gegenüber anwesend wäre. Daneben verzeichnen die Repertorien Ängstlichkeit in der Brust, die zusammen mit der Beklemmung und den vormittäglichen Brustschmerzen auftritt. Die Kali-Gruppe wird in der klassischen Literatur allgemein als pflichtbewusst, streng und wenig anpassungsfähig beschrieben; für dieses Salz im Besonderen ist das jedoch nicht ausgearbeitet und sollte nicht ohne Weiteres übertragen werden. Die Mittelwahl stützt sich auf die Nervenschmerzen, die Schwäche und die Atemsymptome.

Ängste: Beklemmende Ängstlichkeit in der Brust, Beunruhigung bei den Anfällen von Atemnot und Ohnmacht

Leitsymptome

Starrer Blick; unaufhörliche, krampfhafte Bewegungen der Augäpfel, auch Aufwärtsdrehen der Augen
Nervenschmerz am Auge im Bereich der Strahlenkörper; Spannung im inneren Augenwinkel
Doppeltsehen
Schwäche der Beine, dazu Schweregefühl der unteren Gliedmaßen am Nachmittag, ausdrücklich gegen sechzehn Uhr
Zusammenziehen der Finger; kalter Schweiß an den Händen; Ausschlag mit Pickeln am Oberschenkel
Schaumige Absonderung aus der Nase
Anfallsweise, ungleichmäßige und unterbrochene Atmung; Husten, der den Schlaf verhindert
Schmerz im Kehlkopf beim Schlucken; bläuliche Verfärbung des Gesichts
Neigung zur Ohnmacht; nervenschmerzartige Beschwerden allgemein und Kopfschmerz an der Stirn
Verschlechterung
  • Vormittags, ausdrücklich gegen zehn Uhr, für Brustschmerz und Schwäche
  • Nachmittags, für Kopfschmerz und Schwere der Beine
  • Nachts, durch den schlafverhindernden Husten
  • Schlucken, wegen des Kehlkopfschmerzes
Verbesserung
  • Ruhe und Liegen
  • Frische Luft bei der Atemnot
  • Wärme, entsprechend der Frostigkeit der Kali-Gruppe

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
Abneigung
  • In der Literatur nicht näher beschrieben

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei nervenschmerzartigen Beschwerden, besonders im Bereich von Gesicht und Auge, aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Schwäche der Beine mit Schweregefühl am NachmittagBei Doppeltsehen und starrem Blick verzeichnetBei anfallsweise erschwerter, ungleichmäßiger Atmung genanntBei schaumiger Nasenabsonderung aufgeführtBei Neigung zur Ohnmacht beschriebenIn den klinischen Rubriken bei Zuständen nach Schlaganfall verzeichnet

Abgrenzung

Spigelia ist das weit besser belegte Mittel bei Nervenschmerz am Auge mit Stichen, die bis in die Augenhöhle ziehen, und Verschlimmerung durch Bewegung der Augen. Cedron zeigt den Gesichtsnervenschmerz mit auffallender Regelmäßigkeit der Anfallszeiten. Kalmia latifolia steht bei Nervenschmerzen, die von oben nach unten wandern. Kali carbonicum teilt die Schwäche und die Frostigkeit der Kali-Gruppe, mit Verschlimmerung gegen drei Uhr nachts und Schwellung der Oberlider. Wegen der schmalen Prüfungsgrundlage sollte Kalium cyanatum erst nach den besser belegten Mitteln erwogen werden.

Verwandte Mittel

Spigelia anthelmiaKali carbonicumCedronKalmia latifoliaHydrocyanicum acidumCausticum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.