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Materia medica · Nr. 1692

Gratiola officinalis

Grat.

In 2.601 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Gratiola officinalis, das Gottes-Gnadenkraut, ist eine stark abführend wirkende Pflanze, die in der homöopathischen Literatur vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden nach Überessen und bei gesteigertem sexuellem Verlangen der Frau beschrieben wird. Kennzeichnend ist ein Kältegefühl im Bauch, das nach dem Stuhlgang oder nach dem Trinken kalten Wassers auftritt, verbunden mit plötzlichen, wie herausschießenden Entleerungen.

Konstitution

KörperbauEin eigenständiger Konstitutionstyp wird in der Literatur nicht ausgeführt; die Auswahl erfolgt nach den Magen-Darm-Zeichen und dem charakteristischen Kältegefühl im Bauch.
Thermalitätwechselnd
TemperamentDie Rubriken enthalten im Gemütsbereich vor allem Angaben zur gesteigerten geschlechtlichen Erregbarkeit. Beschrieben wird eine Anspannung, die zwischen Erregtheit und Erschöpfung nach den Entleerungen schwankt.

Gemütsbild

Gesteigertes geschlechtliches Verlangen, in der Literatur als Nymphomanie geführtErregbarkeit im Wechsel mit ErschöpfungVerstimmung nach Überessen und Verdauungsbeschwerden

Das Gemütsbild ist in den Rubriken schmal belegt und im Wesentlichen auf einen Zug beschränkt: die deutlich gesteigerte geschlechtliche Erregbarkeit bei Frauen, die die klassische Literatur unter dem Begriff Nymphomanie führt und mit Beschwerden nach sexuellen Ausschweifungen in Verbindung bringt. Verzeichnet ist ferner eine Verschlechterung nach Samenergüssen. Über dieses Feld hinaus beschreibt die klassische Materia medica Gratiola überwiegend als körperlich wirkendes Mittel; ein ausgearbeitetes seelisches Konstitutionsbild liegt nicht vor. Was sich abzeichnet, ist eine Reizbarkeit, die aus den wiederkehrenden Magen- und Darmbeschwerden erwächst.

Ängste: In der Literatur nicht näher beschrieben, Unruhe und Herzklopfen während der Stuhlentleerung

Leitsymptome

Kältegefühl im Bauch, umschrieben auf einzelne Stellen, besonders nach dem Stuhlgang und nach dem Trinken kalten Wassers
Plötzliche, gelbe Stuhlentleerung, oft im Wechsel mit Verstopfung; Durchfall nach der Hauptmahlzeit
Druck und Völlegefühl im Magen wie von einem Stein, mit Rollen und Kollern; Beschwerden nach Überessen
Bitteres und süßliches Aufstoßen, bitterer Geschmack im Mund
Eingeklemmte Blähungen mit Stechen im Bauch, Kriebeln und Ziehen
Reißende Schmerzen in Händen, Fingern, Hand- und Ellenbogengelenken; Jucken der Handflächen
Verschlechterung
  • Nach dem Essen, besonders nach der Hauptmahlzeit
  • Nach dem Stuhlgang
  • Nach dem Trinken kalten Wassers
  • Bei Körperhitze (Bauchbeschwerden)
  • Nach sexueller Anstrengung
Verbesserung
  • Durch Berührung der schmerzenden Stellen
  • Durch Abgang von Blähungen
  • Durch Aufdecken bei Hitze
  • In Ruhe

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Kaltes Wasser, das die Beschwerden anschließend verstärkt
Abneigung
  • Speisen allgemein, Abneigung gegen das Essen
  • Warme Umgebung im Hitzestadium

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei Magenbeschwerden nach Überessen aufgeführtKlassisch zugeordnet zu plötzlichen gelben Durchfällen im Wechsel mit VerstopfungGenannt bei Kältegefühl im Bauch nach Stuhlgang oder kaltem TrinkenVerzeichnet bei gesteigertem geschlechtlichem Verlangen der FrauAufgeführt bei reißenden Schmerzen in Händen und Handgelenken

Abgrenzung

Nux vomica betrifft ebenfalls Beschwerden nach Überessen, dort steht jedoch die Reizbarkeit mit vergeblichem Stuhldrang im Vordergrund. Croton tiglium und Podophyllum zeigen ähnlich herausschießende Durchfälle, ohne das charakteristische umschriebene Kältegefühl im Bauch. Colocynthis hat heftigere Koliken mit Besserung durch Zusammenkrümmen und harten Druck. Für Gratiola sprechen das Kältegefühl im Bauch nach kaltem Trinken und der Wechsel von Verstopfung und plötzlichem gelbem Stuhl.

Verwandte Mittel

Nux vomicaPodophyllumCroton tigliumColocynthisAloe

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.