Gratiola officinalis, das Gottes-Gnadenkraut, ist eine stark abführend wirkende Pflanze, die in der homöopathischen Literatur vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden nach Überessen und bei gesteigertem sexuellem Verlangen der Frau beschrieben wird. Kennzeichnend ist ein Kältegefühl im Bauch, das nach dem Stuhlgang oder nach dem Trinken kalten Wassers auftritt, verbunden mit plötzlichen, wie herausschießenden Entleerungen.
Konstitution
Gemütsbild
Gesteigertes geschlechtliches Verlangen, in der Literatur als Nymphomanie geführtErregbarkeit im Wechsel mit ErschöpfungVerstimmung nach Überessen und Verdauungsbeschwerden
Das Gemütsbild ist in den Rubriken schmal belegt und im Wesentlichen auf einen Zug beschränkt: die deutlich gesteigerte geschlechtliche Erregbarkeit bei Frauen, die die klassische Literatur unter dem Begriff Nymphomanie führt und mit Beschwerden nach sexuellen Ausschweifungen in Verbindung bringt. Verzeichnet ist ferner eine Verschlechterung nach Samenergüssen. Über dieses Feld hinaus beschreibt die klassische Materia medica Gratiola überwiegend als körperlich wirkendes Mittel; ein ausgearbeitetes seelisches Konstitutionsbild liegt nicht vor. Was sich abzeichnet, ist eine Reizbarkeit, die aus den wiederkehrenden Magen- und Darmbeschwerden erwächst.
Ängste: In der Literatur nicht näher beschrieben, Unruhe und Herzklopfen während der Stuhlentleerung
Leitsymptome
- Nach dem Essen, besonders nach der Hauptmahlzeit
- Nach dem Stuhlgang
- Nach dem Trinken kalten Wassers
- Bei Körperhitze (Bauchbeschwerden)
- Nach sexueller Anstrengung
- Durch Berührung der schmerzenden Stellen
- Durch Abgang von Blähungen
- Durch Aufdecken bei Hitze
- In Ruhe
Verlangen und Abneigungen
- Kaltes Wasser, das die Beschwerden anschließend verstärkt
- Speisen allgemein, Abneigung gegen das Essen
- Warme Umgebung im Hitzestadium
In Repertorien häufig zugeordnet
In Repertorien bei Magenbeschwerden nach Überessen aufgeführtKlassisch zugeordnet zu plötzlichen gelben Durchfällen im Wechsel mit VerstopfungGenannt bei Kältegefühl im Bauch nach Stuhlgang oder kaltem TrinkenVerzeichnet bei gesteigertem geschlechtlichem Verlangen der FrauAufgeführt bei reißenden Schmerzen in Händen und Handgelenken
Abgrenzung
Nux vomica betrifft ebenfalls Beschwerden nach Überessen, dort steht jedoch die Reizbarkeit mit vergeblichem Stuhldrang im Vordergrund. Croton tiglium und Podophyllum zeigen ähnlich herausschießende Durchfälle, ohne das charakteristische umschriebene Kältegefühl im Bauch. Colocynthis hat heftigere Koliken mit Besserung durch Zusammenkrümmen und harten Druck. Für Gratiola sprechen das Kältegefühl im Bauch nach kaltem Trinken und der Wechsel von Verstopfung und plötzlichem gelbem Stuhl.
Verwandte Mittel
Nux vomicaPodophyllumCroton tigliumColocynthisAloe
Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.
Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.