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Materia medica · Nr. 107

Cocculus indicus

Cocc.

In 9.247 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Cocculus indicus, die Kockelskörner, ist in der klassischen Materia medica das große Mittel für Erschöpfung nach durchwachten Nächten und für Übelkeit durch Bewegung. Die Repertorien führen es im höchsten Grad bei Seekrankheit, Übelkeit beim Fahren im Wagen und bei lähmungsartiger Schwäche. Typischerweise beschrieben wird ein Mensch, der sich nach langer Sorge um andere selbst aufgezehrt hat.

Konstitution

KörperbauKein einheitlicher Habitus; beschrieben werden meist zarte, empfindsame Menschen, die auf Schlafmangel besonders empfindlich reagieren. Auffällig ist die rasch eintretende körperliche Erschöpfung mit Zittern und Schwanken.
Thermalitätfrostig
TemperamentEin mildes, zugewandtes, um andere besorgtes Wesen – die Rubrik Milde ist im höchsten Grad geführt. Unter Erschöpfung stellt sich Abneigung gegen Reden und ein benommener, verlangsamter Zustand ein. Die Materia medica beschreibt eine große Empfindlichkeit gegenüber Kummer und Ärger.

Gemütsbild

Erschöpfung durch Pflege, Nachtwachen und Sorge um andereMilde und Aufopferung bei Vernachlässigung der eigenen GrenzenBeschwerden nach Kummer und nach ÄrgerBenommenheit, Vergesslichkeit und Verlangsamungverzerrtes Zeitgefühl – die Zeit vergeht zu schnell

Cocculus wird in der Literatur mit einem Menschen verbunden, der lange über die eigene Kraft hinaus für andere da war: Nachtwachen am Krankenbett, Pflege von Angehörigen, anhaltende Sorge. Die Rubriken Kummer, Beschwerden durch und Beschwerden nach Ärger sind hochgradig vertreten, ebenso die Milde des Wesens. Nach dieser Überforderung folgt ein Zustand von Benommenheit, Gedächtnisschwäche und Abneigung gegen Sprechen – alle drei Rubriken im höchsten Grad. Klassisch beschrieben wird ein verändertes Zeitempfinden: Die Zeit scheine viel zu schnell zu vergehen. Dazu treten hysterische Zustände bis zur Ohnmacht, wie sie die Repertorien im höchsten Grad führen. Das Bild ist das einer erschöpften Empfindsamkeit, nicht einer gereizten Abwehr.

Ängste: ängstliche Sorge um die Gesundheit nahestehender Menschen, Angst während der Schwäche- und Ohnmachtsanfälle, Beklemmung bei Bewegung und beim Aufrichten, verbunden mit Schwindel

Leitsymptome

Übelkeit und Schwindel durch Bewegung, Fahren und Schaukeln – Seekrankheit und Reisekrankheit (Rubriken Grad 3)
Übelkeit schon beim Gedanken an Speisen oder beim Geruch von Nahrung – ein Kennzeichen des Mittels
Große Schwäche nach Schlafverlust und Nachtwachen, lähmungsartig, mit zitternden Knien
Leeres, hohles Schwächegefühl in Magen und Bauch
Taubheit und Pelzigsein von Händen und Füßen, teils im Wechsel
Kopfschmerz im Hinterkopf mit Nackenschmerz, beim Fahren verschlechtert
Verschlechterung
  • Bewegung, Fahren, Schaukeln, Autofahren
  • Schlafverlust und Nachtwachen
  • nach dem Essen
  • Kummer, Ärger und Gemütsbewegungen
  • beim Aufrichten im Bett
  • kalte Luft und Abkühlung
Verbesserung
  • ruhiges Liegen
  • Wärme und warmes Zimmer
  • Ruhe im abgedunkelten Raum
  • Vermeidung von Bewegung und Erschütterung

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Die Materia medica nennt zeitweiliges Verlangen nach kalten Getränken und nach Bier
  • über ein durchgängiges Nahrungsverlangen liegen keine kennzeichnenden Angaben vor
Abneigung
  • Abneigung gegen Speisen, besonders bei deren Geruch (Rubrik Grad 3)
  • vollständiger Appetitverlust mit Ekel vor Nahrung (Rubriken Grad 3)

In Repertorien häufig zugeordnet

Reise- und Seekrankheit mit Übelkeit und SchwindelErschöpfungszustände nach Nachtwachen, Pflege und SchlafmangelSchwindel mit Übelkeit, verschlechtert durch Aufrichtenkrampfartige Bauchbeschwerden mit BlähungenNackensteifigkeit und HinterkopfschmerzErschöpfung und Beschwerden nach Kummer

Abgrenzung

Tabacum hat ebenfalls Reisekrankheit, dort jedoch mit Todesblässe, kaltem Schweiß und Besserung durch frische Luft und Aufdecken, während Cocculus Wärme und Ruhe braucht. Petroleum zeigt Reisekrankheit gemeinsam mit rissiger Haut und Heißhunger. Von Nux vomica unterscheidet sich Cocculus durch die Milde und die Erschöpfung, wo Nux vomica Gereiztheit und Überreizung zeigt.

Verwandte Mittel

TabacumPetroleumNux vomicaIgnatiaGelsemiumPulsatilla

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.