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Materia medica · Nr. 96

Chionanthus virginica

Chion.

In 147 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Chionanthus virginica, der nordamerikanische Schneeflockenstrauch, ist eines der ausgeprägtesten Lebermittel der Materia medica. Nahezu alle kennzeichnenden Rubriken kreisen um die Leber und den Gallenfluss: gelbe Verfärbung von Haut und Augen, Gallenfarbstoff im Harn, Koliken in der Lebergegend, bitteres Aufstoßen und tonfarbener Stuhl. Auffällig ist die jahreszeitliche Bindung: Die Beschwerden kehren im Sommer wieder.

Konstitution

KörperbauHäufig abgemagert, mit gelblichem Hautton; die Lebergegend ist vergrößert und druckempfindlich, der Bauch dabei aufgetrieben. Ein eigenes Konstitutionsbild abseits des Leberbezugs wird nicht beschrieben.
Thermalitätwechselnd
TemperamentZum Gemüt liegen keine eigenen Rubriken vor. Die Materia medica beschreibt eine gedrückte, verdrossene Stimmung, wie sie langwierige Leberleiden begleitet, ohne dass daraus ein eigenständiges Charakterbild abgeleitet würde.

Gemütsbild

Verdrossenheit und gedrückte Stimmung im Verlauf von LeberbeschwerdenMattigkeit und Widerwille gegen BewegungReizbarkeit bei KopfschmerzKein eigenständiges Gemütsbild in den Rubriken

Chionanthus virginica ist ein über das Organ erschlossenes Mittel: Die vorliegenden Rubriken enthalten keinen Eintrag im Kapitel Gemüt. Die klassische Literatur beschränkt sich auf die Beobachtung, dass Menschen mit den entsprechenden Leberbeschwerden verdrossen, matt und wenig unternehmungslustig wirken und jede Bewegung meiden, weil sie die Beschwerden verstärkt. Ein tieferes seelisches Thema ist nicht ausgearbeitet, und es wäre nicht sachgerecht, eines hinzuzufügen. Die Mittelwahl stützt sich hier ausschließlich auf die körperlichen Zeichen und die Modalitäten.

Ängste: In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen, In der Literatur nicht näher beschrieben

Leitsymptome

Gelbe Verfärbung der Haut - im höchsten Grad verzeichnet -, dazu gelbe Augen und gelbes Gesicht; ausdrücklich mit der Angabe, dass dies jeden Sommer wiederkehrt
Gallenfarbstoff im Harn, im höchsten Grad geführt
Vergrößerte, druckempfindliche Leber mit wundem Schmerz in der Lebergegend; auch Kolik im Sinne eines Gallensteinleidens
Bitteres und saures Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen von Galle
Stuhl tonfarben, dunkel bis schwarz; Durchfall im Verlauf der Gelbsucht
Kopfschmerz an Stirn und Vorderkopf, der sich im Liegen bessert und mit den Lebersymptomen zusammen auftritt
Abmagerung mit Muskelzucken; Versiegen der Milch bei Stillenden
Rauhes, geschwollenes Gefühl im rechten Rippenbogenbereich
Verschlechterung
  • Sommer und warme Jahreszeit
  • Bewegung jeder Art
  • Gehen
  • Fette und reichliche Speisen
  • Druck auf die Lebergegend
Verbesserung
  • Liegen, besonders beim Kopfschmerz
  • Ruhe
  • Kühle
  • Freier Gallenfluss und regelmäßiger Stuhlgang

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In den vorliegenden Rubriken nicht ausgewiesen
Abneigung
  • Fette Speisen, entsprechend dem Leberbezug des Mittels; in den Rubriken nicht eigens ausgewiesen

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei gelber Verfärbung der Haut im höchsten Grad aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Beschwerden der Leber mit Vergrößerung und DruckempfindlichkeitBei Gallenfarbstoff im Harn im höchsten Grad verzeichnetBei Koliken in der Lebergegend genanntBei tonfarbenem, dunklem Stuhl aufgeführtBei Kopfschmerz, der zusammen mit Lebersymptomen auftritt und sich im Liegen bessert, beschriebenBei Abmagerung im Zusammenhang mit langwierigen Leberleiden verzeichnet

Abgrenzung

Chelidonium majus, das nächstverwandte Lebermittel, zeigt den kennzeichnenden Schmerz unter dem rechten Schulterblatt, Besserung durch warme Getränke und einen gelben Zungenbelag mit Zahneindrücken. Podophyllum steht bei reichlichen, spritzenden Durchfällen am frühen Morgen mit Erschöpfung. Bryonia teilt die Verschlimmerung durch jede Bewegung und die Empfindlichkeit der Lebergegend, hat aber den großen Durst auf viel kaltes Wasser und die trockenen Schleimhäute. Ceanothus americanus wirkt vorwiegend auf die Milz mit Schmerz in der linken Seite. Für Chionanthus sprechen die ausgeprägte Gelbfärbung, der Gallenfarbstoff im Harn und die Wiederkehr der Beschwerden im Sommer.

Verwandte Mittel

Chelidonium majusPodophyllum peltatumBryonia albaCeanothus americanusIris versicolorChina officinalis

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.