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Materia medica · Nr. 823

Bothrops lanceolatus

Both.

Auch: Both-l

In 106 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Bothrops lanceolatus, das Gift der mittelamerikanischen Lanzenotter, gehört zu den Schlangenmitteln und zeigt deren Kernthema in besonders scharfer Form: Blutungen aus allen Körperöffnungen bei Blut, das nicht gerinnt. Dazu tritt ein zweiter, ebenso kennzeichnender Zug - der Verlust der Sprache: das Wort wird gesucht, verwechselt oder gar nicht gefunden, oft neben einer halbseitigen Lähmung. Das Mittel wirkt vorwiegend auf der rechten Körperseite.

Konstitution

KörperbauEin Konstitutionsbild im üblichen Sinn liegt nicht vor. Beschrieben werden akute, schwere Zustände mit blau-dunkler Verfärbung von Gesicht und Gliedern, aufgedunsener Schwellung und rascher Erschöpfung.
Thermalitätwechselnd
TemperamentDie Angaben zeichnen keinen Charakter, sondern einen Zustand: das Denken bleibt, die Sprache versagt. Betroffene gebrauchen falsche Wörter, verlieren beim Sprechen den Faden und finden die Begriffe nicht mehr. Dazu treten Vergesslichkeit und Stottern. Als Wesensbild ist das nicht zu lesen.

Gemütsbild

Sprachverlust: die Worte stehen nicht mehr zur VerfügungGebrauch falscher Wörter beim SprechenVergesslichkeit für Wörter mitten im SatzStottern und stockende Rede

Das Gemütsbild ist ganz von der Sprachstörung bestimmt. Das Repertorium führt den Sprachverlust und den Gebrauch falscher Wörter mit erhöhtem Grad; hinzu kommt, dass beim Sprechen die Wörter vergessen werden. Kennzeichnend ist, dass das Verstehen und Wollen erhalten scheint - was fehlt, ist der Zugriff auf die Sprache. In der Verbindung mit der rechtsseitigen Lähmung und den Blutungszeichen ergibt das ein sehr geschlossenes Zustandsbild, wie es die älteren Berichte über Schlangenbisse und über Schlaganfälle beschreiben. Ein ausgearbeitetes Charakterbild, wie es Lachesis besitzt, ist für Bothrops nicht überliefert.

Ängste: Keine ausgeformten Ängste überliefert, In der Literatur nicht näher beschrieben

Leitsymptome

Blutungen aus den Körperöffnungen, wobei das Blut nicht gerinnt - die höchstbewertete Angabe des Mittels
Nasenbluten, Bluten aus den Augen und den Ohren, blutiger Harn, starke Gebärmutterblutung
Halbseitige Lähmung, vorwiegend rechts; Taubheitsgefühl und Lähmungsgefühl der Glieder
Sehstörung: verschleiertes Sehen, im Sonnenlicht schlimmer, bis zum Sehverlust
Blau-dunkle Verfärbung von Gesicht und Gliedern; schlaffe, livide Schwellung; brandiges Absterben von Gewebe
Deutliche Rechtsseitigkeit der Beschwerden; Schwäche nach Durchfall
Verschlechterung
  • Rechte Körperseite
  • Sonnenlicht, mit Zunahme der Sehstörung; jede Blutung schwächt zusätzlich
Verbesserung
  • Ruhe
  • Weitere Besserungen sind in der Literatur nicht belastbar beschrieben

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • In der Literatur nicht näher beschrieben
Abneigung
  • In der Literatur nicht näher beschrieben

In Repertorien häufig zugeordnet

Blutungsneigung mit dunklem, schlecht gerinnendem BlutNasenbluten und GebärmutterblutungenSprachstörungen nach Schlaganfall, in Repertorien geführtRechtsseitige LähmungserscheinungenSehstörungen bis zum SehverlustKreislaufzustände mit blauer Verfärbung und Absterben von Gewebe

Abgrenzung

Lachesis, das bekannteste Schlangenmittel, teilt die Blutungsneigung und das dunkle, nicht gerinnende Blut, wirkt aber vorwiegend auf der linken Seite, zeigt Halsempfindlichkeit gegen Berührung und Verschlimmerung nach dem Schlaf sowie ein ausgeprägtes Redebedürfnis - bei Bothrops versagt die Sprache stattdessen. Crotalus horridus steht dem Blutungsbild am nächsten, mit Gelbsucht und Zersetzungszeichen. Für rechtsseitige Lähmung nach Schlaganfall ist auch Causticum zu bedenken, dort mit langsamer Entwicklung und Trockenheit der Sehnen.

Verwandte Mittel

LachesisCrotalus horridusNaja tripudiansElaps corallinusCausticum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.