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Materia medica · Nr. 50

Baptisia tinctoria

Bapt.

In 2.285 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Baptisia tinctoria, die wilde Indigopflanze, ist in der Materia medica das Mittel schwerer fieberhafter Zustände mit Benommenheit. Beschrieben wird ein Mensch, der wie betrunken wirkt, beim Antworten einschläft und dessen Ausscheidungen auffallend übelriechend sind. Kennzeichnend ist die Empfindung, das Bett sei zu hart und der Körper liege in Stücken verstreut.

Konstitution

KörperbauEin Konstitutionstyp im engeren Sinne wird nicht beschrieben; das Mittel wird nach dem akuten Zustandsbild gewählt, mit dunkelrotem bis bläulichem, benommenem Gesichtsausdruck.
Thermalitätwarmblütig
TemperamentIm Zustand stumpf, schwerfällig und antriebslos. Die Repertorien führen Trägheit, Abneigung gegen geistige Arbeit und gegen das Denken überhaupt, dazu nächtliches Delirium und Verwirrung wie im Rausch.

Gemütsbild

Benommenheit und Verwirrung wie im RauschAbneigung gegen Denken und geistige ArbeitNächtliches Delirium mit unzusammenhängender SpracheEmpfindung, zerteilt zu sein und die Teile zusammensuchen zu müssenTrägheit und Ruhelosigkeit im Wechsel

Der geistige Zustand ist bei diesem Mittel der eigentliche Schlüssel. Die Repertorien führen Benommenheit bis zum Stupor, Verwirrung wie betrunken, Delirium in der Nacht und unzusammenhängende Sprache. Charakteristisch ist, dass Betroffene mitten in der Antwort einschlafen: Sie beginnen zu sprechen und sind im nächsten Moment weggedämmert. Die klassische Literatur beschreibt daneben die Empfindung, der Körper sei zerteilt und man müsse die Stücke im Bett zusammensuchen, oder es liege noch jemand neben einem. Verzeichnet sind ferner die Abneigung gegen jede geistige Anstrengung, Ruhelosigkeit und Nervosität sowie eine Verschlechterung, wenn man an die Beschwerden denkt.

Ängste: Unruhe und Nervosität im Fieber, Verwirrende Wahrnehmungen und Halluzinationen in der Nacht, Beklemmung durch Benommenheit und Kontrollverlust

Leitsymptome

Hohes, anhaltendes Fieber mit Benommenheit und großer Schwäche, oft ohne vorangehenden Frost
Der ganze Körper fühlt sich zerschlagen und wund an; das Bett erscheint zu hart, man wechselt ständig die Lage
Übelriechende Ausscheidungen: Stuhl, Urin, Schweiß und Atem riechen faulig
Halsschmerz mit dunkelroter, wie wund empfundener Rachenschleimhaut, geschwollenen Mandeln; auffallend geringe Schmerzäußerung trotz starken Befunds
Schlucken von festen Speisen erschwert oder unmöglich, Flüssiges geht leichter; Krampfgefühl in der Speiseröhre
Aphten und Geschwüre im Mund, braun belegte Zunge, wunde, brennende Zungenspitze
Schmerzloser, übelriechender Durchfall, teils unwillkürlich
Tiefer, komatöser Schlaf mit Schläfrigkeit am Tag; Erwachen gegen zwei Uhr
Verschlechterung
  • Nachts und vormittags
  • An frischer Luft; Abneigung gegen kühle Luft
  • Rechtsseitig betonte Beschwerden
  • In feuchter, schwüler Witterung
  • Beim Denken an die Beschwerden
Verbesserung
  • Im Liegen auf der schmerzfreien Seite
  • Durch Wärme und Zudecken
  • Durch flüssige Nahrung statt fester Speisen
  • In ruhiger, gleichmäßiger Umgebung

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Flüssige Nahrung, die leichter geschluckt werden kann
  • Zu weiteren Verlangen liegen keine belastbaren Rubriken vor
Abneigung
  • Feste Speisen
  • Frische, kühle Luft
  • Geistige Anstrengung und Ansprache

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei hohen, anhaltenden Fieberzuständen mit Benommenheit aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Zuständen mit übelriechenden Ausscheidungen und großer SchwächeGenannt bei Halsentzündungen mit dunkelrotem Rachen und geringem SchmerzempfindenVerzeichnet bei Aphten und Geschwüren im MundAufgeführt bei schmerzlosem, übelriechendem DurchfallGenannt bei dem Gefühl, der Körper sei zerteilt, und dem zu hart empfundenen Bett

Abgrenzung

Gelsemium teilt die Benommenheit und Schwäche, dort fehlt jedoch der faulige Geruch, und die Beschwerden beginnen langsamer mit Zittern und Schwere der Lider. Rhus toxicodendron zeigt ebenfalls den zerschlagenen Körper mit Ruhelosigkeit, bessert sich aber deutlich durch fortgesetzte Bewegung. Arnica hat das zu hart empfundene Bett, ohne die geistige Umnebelung und den Geruch. Für Baptisia sprechen die Benommenheit bis zum Einschlafen beim Antworten und die auffallend fauligen Ausscheidungen.

Verwandte Mittel

Gelsemium sempervirensRhus toxicodendronArnica montanaAcidum muriaticumPyrogenium

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.