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Materia medica · Nr. 9

Agnus castus

Agn.

In 2.996 Rubriken klassischer Repertorien aufgeführt. Ein Mittelporträt mit Zuordnungen aus Repertorien und Materia medica – als Lern- und Orientierungshilfe.

Porträt

Agnus castus, der Mönchspfeffer, ist in der homöopathischen Literatur seit jeher mit dem Nachlassen der sexuellen Kraft verbunden. Beschrieben wird ein Zustand vorzeitiger Erschöpfung nach langer Überbeanspruchung: körperliche Kälte, Schlaffheit der Genitalien und eine Traurigkeit, die von Selbstvorwürfen und Zweifeln begleitet ist. Der Name der Pflanze verweist auf die traditionelle Zuschreibung, das Verlangen zu dämpfen.

Konstitution

KörperbauBeschrieben werden häufig vorzeitig gealterte, kraftlos wirkende Menschen mit blasser, schlaffer Haut; die Repertorien führen vorzeitiges Altern als allgemeines Zeichen.
Thermalitätfrostig
TemperamentTraurig, in sich gekehrt und mit sich unzufrieden. Kennzeichnend ist ein Nachlassen von Antrieb und Gedächtnis, verbunden mit dem Gefühl, es gehe unaufhaltsam abwärts.

Gemütsbild

Unzufriedenheit mit sich selbst, SelbstvorwürfeMangel an SelbstvertrauenZweifel an der eigenen GenesungTodesahnung und SchwermutNachlassendes Gedächtnis und Zerstreutheit

Die Repertorien zeichnen ein gedrücktes, resigniertes Gemüt. Verzeichnet sind Unzufriedenheit mit sich selbst, Mangel an Selbstvertrauen und ein Zweifeln daran, wieder gesund zu werden. Charakteristisch ist die Todesahnung, das Gefühl, der Tod stehe bevor, oft verbunden mit Furcht beim Erwachen. Die Vergesslichkeit wird sehr konkret beschrieben: Man lässt beim Einkaufen die eigenen Einkäufe stehen. Die klassische Literatur verbindet dieses Bild mit einem Leben, dessen Kräfte durch lange Überreizung aufgebraucht sind; die seelische Verstimmung geht dabei mit dem Erlöschen des Sexualtriebs einher, was als weiterer Anlass zu Selbstvorwürfen erlebt wird.

Ängste: Furcht beim Erwachen, Todesahnung, das Gefühl, bald sterben zu müssen, Zweifel, nicht wieder gesund zu werden

Leitsymptome

Fehlende oder unvollständige Erektionen bei vermindertem sexuellem Verlangen; Schlaffheit der Genitalien
Kältegefühl der Genitalien, ausdrücklich ein kalt empfundener Penis
Dünner, schleimiger, teils gelber Ausfluss aus der Harnröhre
Kälte der Knie und Schweregefühl der Füße
Reichlicher Handschweiß
Gichtige Gelenkschmerzen; nagende, reißende Schmerzen in Stirn und Schläfen
Verschlechterung
  • Vor dem Einschlafen
  • Durch Aufstoßen
  • Im Stehen (Übelkeit)
  • Nach sexueller Überanstrengung
  • Durch Kälte
Verbesserung
  • In der Dunkelheit
  • Durch Kratzen bei Hautjucken
  • Durch Wärme und Ruhe

Verlangen und Abneigungen

Verlangen
  • Zu ausgeprägten Verlangen liegen keine belastbaren Rubriken vor
Abneigung
  • Getränke, allgemein verminderter Durst
  • Abneigung gegen Geschlechtsverkehr

In Repertorien häufig zugeordnet

In Repertorien bei nachlassendem Sexualtrieb und Erektionsschwäche aufgeführtKlassisch zugeordnet zu Erschöpfungszuständen nach langer sexueller ÜberanstrengungGenannt bei Schwermut mit Selbstvorwürfen und GedächtnisschwächeVerzeichnet bei Beschwerden im Bereich von Gebärmutter und Eierstöcken mit vermindertem VerlangenAufgeführt bei vorzeitigem Altern mit Kraftlosigkeit

Abgrenzung

Lycopodium teilt die Erektionsschwäche und das mangelnde Selbstvertrauen, tritt aber nach außen bestimmter auf und zeigt die typische Verschlimmerung von 16 bis 20 Uhr sowie Blähungsbeschwerden. Selenium metallicum zeigt ebenfalls Erschöpfung nach sexueller Überanstrengung, dort bleibt jedoch das Verlangen bei fehlender Kraft bestehen. Bei Agnus castus erlischt das Verlangen selbst, begleitet vom charakteristischen Kältegefühl der Genitalien und einer resignierten Traurigkeit.

Verwandte Mittel

LycopodiumSelenium metallicumConium maculatumSepiaAcidum phosphoricum

Porträt erstellt aus Repertoriumsdaten mit Unterstützung eines KI-Sprachmodells (2026-09-05). Die Angaben geben Zuordnungen der homöopathischen Literatur wieder, keine medizinische Wirksamkeit.

Einordnung

Dieses Porträt ist eine Lern- und Orientierungshilfe. Es ersetzt keine Diagnose oder Behandlung; bei ernsten oder anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen. Die Wahl von Mittel, Potenz und Anwendung gehört in fachkundige Hände.